Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

vor nicht allzu langer Zeit war es üblich, dass Menschen „in Trauer waren“ oder „Trauer trugen“. Ob das individuell in jedem Fall als hilfreich erlebt wurde, sei mal dahingestellt. Aber immerhin war damit auch ein gewisser Schutzraum markiert, in dem andere angehalten waren, Rücksicht zu nehmen. Eigentlich ist Trauer ja auch etwas, das man nicht nebenbei erledigen kann. In dieser Ausgabe nähern wir uns dem Thema Trauer und Vergänglichkeit. Dazu dient auch die Liedmeditation zu einem Lied („Was wird nach unserem Ende geschehen?“) des jüngst verstorbenen Otto Kaufmann, die Propst i.R. Weingarten und Kantor Nickisch für uns verfasst haben.

Dazu passt stimmungsmäßig recht gut eine Erzählung, die uns ebenfalls von einem Leser zur Verfügung gestellt wurde. Sie heißt „Heimweh nach Zahrenholz“. Ich musste dabei an das denken, was die Missionarin Johanna Harms von ihrer Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft und Verbannung erzählt hat, wie sie beinahe nicht aus der DDR hätte weiterreisen dürfen, bis ein Funktionär sagte: „Ach so, Sie sind aus der Lüneburger Heide, die kenne ich auch, die Heidjer hängen sehr an ihrer Heimat, – die müssen wir nach Hause lassen.“ Nach Hause, das ist ja auch eine Antwort darauf, was nach unserem Ende geschehenwird.

Ein gänzlich weltliches Thema ist ein Beitrag aus zwei Perspektiven, was Kirchen angesichts des Themas Klimawandel bewegen könnte. Muss unsere Kirche dazu auch noch was sagen, denken Sie vielleicht jetzt? Ich meine: Nüchtern Dinge erwägen können Lutheraner immer. Aber darüber hinaus gilt, was man in der Theologischen Erklärung von Barmen mal so formuliert hat: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Wort Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ „Barmen“ ist nun nicht das Bekenntnis der lutherischen Kirche und zunächst täten die Kirchen, deren Bekenntnis es ist, gut daran, es ernst zu nehmen. Aber dass weder das Ereignis Klimawandel noch die Gestalt Greta Thunberg irgendeine theologische Offenbarungsqualität haben, das können wir auch sagen.

Es grüßt Sie herzlich
Andrea Grünhagen