Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

in der Redaktionssitzung herrschte Ratlosigkeit. „Wie sind wir denn bloß auf dieses Thema gekommen: Christ und Soldat?“ Und nun? Einen ehemaligen Bausoldaten und einen Bundeswehroffizier um einen Artikel bitten? Wollenwir eine Pro-und-Kontra-Debatte, wenn es um persönliche Gewissensentscheidungen geht? Nein, das wollen wir nicht.

Sehr schnell waren wir dabei, uns unsere Erfahrungen mit dem Thema zu erzählen. Und diesem Rundgespräch können Sie nun lauschen. Wenn wir als Lutheraner über diese Frage reden, tun wir das nicht im „luftleeren Raum“ unserer subjektiven Meinungen, die immer eine Geschichte haben und von unterschiedlichen Prägungen abhängen, wie unser Gespräch auch zeigt, sondern wir sind an das lutherische Bekenntnis gebunden, in dem es heißt: „Christen können ohne Sünde in Regierungsverantwortung, im Fürsten- und Richteramt wirken, nach kaiserlichen und anderen geltenden Rechten Urteile fällen und Recht sprechen, Rechtsbrecher mit dem Schwert bestrafen, rechtmäßig Kriege führen und an ihnen teilnehmen, Prozesse anstrengen, kaufen und verkaufen, geforderte Eide leisten, Eigentum besitzen, heiraten und so weiter (Augsburgisches Bekenntnis, Artikel 16).

Wie dann seelsorgerliche Verantwortung für Soldatinnen und Soldaten konkret aussieht, haben wir einen evangelischen Militärseelsorger gefragt, dem wir für seine Bereitschaft zum Interview ausdrücklich danken.

Ein Dank gilt auch allen, die die Bereiche „Neues aus der SELK“ und „Personen“ bereichern und damit etwas von der Lebendigkeit unserer Kirche zeigen.

Die Rubrik Gesellschaft widmet sich der augenzwinkernden Frage, wer eigentlich dieser Zeitgeist ist, den alle immer so schrecklich finden. Wie leicht uns der „Zeitgeist“ als Chiffre in die Feder fließt, erwähnt auch Propst Kelter beim „Wort zum Leben“. Dort können Sie auch lesen, was Asterix mit kirchlichen Begründungsmustern zu tun hat. Das ist übrigens eine ehrwürdige theologische Tradition. Luthers Lieblingsfeind Dr. Eck reagierte auf die 95 Thesen mit 18 Obelisci (Spießchen, um verdächtige Aussagen kenntlich zu machen), worauf Luther ihm seine Asterisci (Sternchen zur Kennzeichnung von Anmerkungen) um die Ohren haute. Also, so ein bisschen Asterix …

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Andrea Grünhagen