Editorial

LiebeGruenhagen-Andrea Leserinnen und Leser,

gibt es eine Antwort auf die Frage, warum Menschen sich vom christlichen Glauben verabschieden? Meist sind es doch ganz individuelle Umstände und Entscheidungen, die dazu führen, dass sich jemand von Glauben und Kirche löst. Wobei das nicht zwangsläufig dasselbe sein muss. Mehr als der Versuch, aus Beobachtung und seelsorgerlicher Erfahrung vorsichtig Muster zu beschreiben, wäre Selbstüberhebung. Und das immer in dem Wissen, dass das Thema schmerzlich ist. Was wir in dieser Ausgabe bewusst nicht thematisieren, ist das Verhältnis von Glauben und Taufe. Das möchten wir nicht nebenbei, sondern in einer zukünftigen Ausgabe ausführlich betrachten. Es ist aber auch hier immer mitzudenken. Wie sich die Kraft der heiligen Taufe an jemandem erweisen kann, der nach allem, was wir sehen, weit weg von Gott ist, wissen wir nicht. Aber dass Gottes Tun und Reden im Sakrament der Taufe gilt, das wissen wir. So wie der verlorene Sohn im Gleichnis Jesu zu jedem Zeitpunkt zum Vater zurückkehren kann, obwohl das wohl auch niemand für möglich gehalten hätte, steht jedem Getauften die Tür des himmlischen Vaterhauses offen.

Dass individueller Glaubensverlust etwas mit dem Bedeutungsverlust von Kirche in der Gesellschaft zu tun hat, ist wohl einleuchtend. In der Rubrik Gesellschaft wird es darum um einen Mann gehen, der diese Entwicklung schon vor 200 Jahren gesehen hat: Johann Hinrich Wichern. Seine Idee der „Inneren Mission“ bleibt aktuell. Dass Vertreter der Vorgängerkirchen unserer SELK ihm aus konfessionellen Gründen zwiespältig gegenüberstanden, so sein Studienkamerad Louis Harms oder Direktor Huschke in Breslau, macht nachdenklich. Sie alle haben aber auf je eigne Weise dem Glaubensverlust ihrer Zeit etwas entgegenzusetzenversucht. Das bleibt unser Erbe.

Teil dieses Erbes ist auch der Pfarrer Friedrich Brunn aus Steeden, dessen 200. Geburtstag wir in diesem Jahr gedenken. Auch ihm ist ein Artikel gewidmet.

Es grüßt Sie alle herzlich
Andrea Grünhagen