Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass „Schlafenkönnen“ eine gute Gabe Gottes ist? Wie wunderbar, wenn jemand tief und erholsam schläft und am Morgen ausgeruht und fröhlich erwacht. Das ist ein echter Grund zur Dankbarkeit.

Das merkt man meistens erst, wenn es nicht (mehr) so ist. Viele Menschen würden gerne schlafen und können es nicht. Manche aus äußeren Gründen, wenn sie zum Beispiel ein Baby versorgen oder Kranke pflegen. Vielleicht werden sie auch durch unbequeme Umstände wie lärmende Nachbarn wach gehalten, oder Schmerzen lassen sie nicht schlafen. Schlafmangel zehrt an den Kräften. Und dann sind ja auch innere Gründe, die Menschen nicht schlafen lassen. Depressionen können Schlaflosigkeit verursachen. Zerquälte Nächte voller Angst, Albträume und übermächtige Sorgen quälen Menschen. Einsamkeit ist nachts viel schlimmer als am Tag.

Wie gerne würden sich viele so gemütlich einkuscheln und schlafen wie das Kind auf unserem Titelbild. Und vielleicht sogar etwas Schönes träumen. Es wäre ein echtes Gottesgeschenk. Aber was sollen die tun, denen die Erfahrung von Geborgenheit fehlt und deren Träume nichts anderes sind als die Verarbeitung eines traurigen Alltags? Oft nichts, als die Nächte aushalten. Aber manchmal hilft vielleicht der Gedanke, dass Gott im Dunkeln wohnt, dass er da ist und wacht, wenn keiner da ist. Aus der klösterlichen Tradition kennt die Christenheit auch das Gebet, dass Gott auf die Träume aufpassen soll. Überhaupt hat sich in der klösterlichen Spiritualität so manches herausgebildet, was Menschen an den Übergängen zwischen Nacht und Tag hilft. Zum Beispiel ein Ritual, um den Tag am Abend bewusst abzuschließen und Gott um eine gute Nacht zu bitten. Ich denke, auch Luther hat aus dieser Tradition geschöpft, als er seinen Abend- und Morgensegen schrieb.

Ich wünsche Ihnen viele gute Gedanken beim Lesen über Schlaf und Traum. Unser neues Redaktionsmitglied, Frau Juliane Moghimi, verrät uns übrigens auch etwas über ihre Träume. Wir begrüßen Sie herzlich nun ganz offiziell in der Redaktion der LuKi.

Ihre Andrea Grünhagen