Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

der 3. Präsident der USA, Thomas Jefferson, hat mal gesagt: „Ich mag die Träume von der Zukunft lieber als die ganze Geschichte der Vergangenheit.“ Okay, ich nicht. Ich mag die Geschichte der Vergangenheit lieber, weil sie vergleichsweise rational zu erfassen ist, während Zukunft immer etwas Spekulatives bleibt.

Letzteres fasziniert viele Menschen. Zukunftsprognosen, Visionen, Zukunftspläne – der Gedanke, dass unbegrenzte Möglichkeiten vor uns liegen, und wir Einfluss nehmen können auf das Kommende, beflügelt wirtschaftlich wie persönlich. Ob es dann allerdings wirklich so kommt, wie wir uns das gedacht haben, ist eine Frage von Zufall und Wahrscheinlichkeiten, was bedeutet, dass man auch ordentlich falsch liegen kann.

Falsch lagen übrigens bislang auch alle, die die letzte Zukunft, das Kommen Christi am Ende der Welt terminlich festlegen wollten. Warum lutherische Christen sich von falschen Endzeiterwartungen grundsätzlich fernhalten sollten, ist ein Aspekt unseres Titelthemas.

Viel mehr bewegt die meisten Menschen allerdings die Frage nach ihrer persönlichen Zukunft. Wobei meistens die Frage ist, ob diese Zukunft subjektiv gut oder schlecht sein wird. Ich würde sagen, es ist sehr barmherzig, dass wir das nicht wissen. Was aber, wenn jemand gar keine Erwartungen mehr hat? „Wer für Kommendes nicht mehr offen ist, hat mit dem Leben bereits abgeschlossen.“ Das hat der österreichische Aphoristiker Ernst Ferstel gesagt. Zukunft mutet uns immer Veränderungen zu. Sonst kann das Leben auch vorbei sein, bevor es zu Ende ist.

Entgegen unserer Gewohnheit widmet sich auch die Rubrik „Gesellschaft“ dem Titelthema. Allerdings wieder unter einem ganz anderen Aspekt. Nach menschlichem Ermessen wird sich unsere Gesellschaft und die Technik, die wir benutzen, immer schneller verändern. Damit kritisch umzugehen, ohne sich von vorneherein allem zu verweigern, ist auch für Christen eine wichtige Aufgabe.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Andrea Grünhagen