Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

„Herr Pastor, die Lieder haben Sie heute aber schön ausgesucht.“ Im besseren Fall sind diese Wort ernst gemeint. Im schlechteren bedeuten sie: „Das war alles Mist, mehr als Lieder raussuchen können Sie wohl nicht.“ Dabei ist die Liedauswahl für einen Gottesdienst durchaus ziemlich entscheidend. Das hat ein bisschen mit Theologie und sehr viel mit Stimmung zu tun. Es gibt Lieder, deren Inhalt ist mit dem, was einen lutherischen Gottesdienst ausmacht, nicht vereinbar. Es gibt auch solche, die so derartig inhaltsfrei sind, dass man weder etwas dafür noch dagegen haben kann. Musik transportiert aber auch immer ein Gefühl, setzt sozusagen ein emotionales Vorzeichen. Ein Eingangslied, das zur Kategorie der „Unsingbaren“ gehört, kann die Klappe für einen ganzen Gottesdienst fallen lassen, das holt auch die brillanteste Predigt nicht mehr ein.

In dieser Ausgabe widmen wir uns darum einmal dem Thema Lieder/Musik in der Kirche, denn viele werden davon bewegt. Manche auch sorgenvoll. Ist nicht vieles von einem „Nicht-Mehr“ geprägt? Bestimmt gegenüber früher der Mangel an Kirchenmusik unseren Alltag? Ich rate gegen diese düsteren Gedanken einmal zu einem kleinen Test. So Sie über Internet verfügen, schauen Sie doch einmal auf der Homepage www.selk.de in den Menüpunkt „Termine“. Und dann zählen Sie mal die Veranstaltungen, die mit Musik zu tun haben, und rechnen deren Anteil an der Gesamtmenge aus. Mangel sieht anders aus.

Und wenn es doch alles so ein bisschen mäßig ist? Der österreichische Schriftsteller Heinrich Waggerl hat mal in Bezug auf seine unmusikalische Familie gesagt: „Gott schaut seinen Kindern ins Herz und nicht aufs Maul. Und es ist auch nicht so, als ob er etwa nur Latein verstünde …“ Er versteht übrigens auch Englisch. Und altmodisches Deutsch. Da muss man eigentlich gar keine Angst haben bei der Liedauswahl.

Für alle musikalisch nicht Interessierten bietet diese LuKi auch andere Themen. „Essen“ zum Beispiel. Das hat genauso viel mit Vorlieben und Abneigungen zu tun wie Musik. Es verortet Menschen genau wie Musik in einen bestimmten gesellschaftlichen Kontext. Vielleicht ist das ja ein ganz spannender Zusammenklang.

Es grüßt Sie alle herzlich

Ihre Andrea Grünhagen