Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

räumen Sie die Wohnung auf, bevor Sie in Urlaub fahren? Räumen Sie überhaupt gerne auf? Welche Ordnungen halten Sie für sinnvoll?

Wenn man bedenkt, dass in manchen Sprachen das Wort für Ordnung und Befehl dasselbe ist, dann versteht man auch das leichte Unbehagen, das mitschwingt. Wir haben uns in der Redaktion dem Thema von drei Seiten genähert. Ganz grundsätzlich, mehr praktisch und in Bezug auf die Extreme. Man kann daran sehen, dass Ordnung etwas mit Leben im Gleichgewicht zu tun hat. Zu viel davon ist schädlich, zu wenig aber auch.

Für mich wird das deutlich am Bild eines Gartens. Bis vor etwa 120 Jahren fanden die meisten Menschen nur gestaltete Natur schön. Dass Heidelandschaften, Berggipfel und Nordseestrände auch schön sind, ist ein relativ neuer Gedanke. Mittlerweile fragen wir uns, wie viel in der Natur wir ordnen müssen und wo die Natur selbst eine Ordnung herstellt. Meist spüren wir es ja selbst, wenn in unserem Umfeld etwas nicht im Gleichgewicht, eben nicht „in Ordnung“ ist. Es wäre schön, wenn wir alle die Sommerzeit nützen könnten, um Struktur und Rhythmus um uns herum zu entdecken. Dazu muss man nicht verreisen, der Ameisenhaufen vor der Haustür tut es auch. Oder Sie bedenken beim Anblick eines Glases Honig auf dem Frühstückstisch, wie viele geordnete Vorgänge dafür nötig waren. Wer Urlaub macht, kann auf wohltuende Ordnung achten, gesunde Regelmäßigkeit in Schlafen, Essen, Beten und Bewegung bringen und so wieder „in Ordnung“ kommen.

Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens (1. Korinther 14,33). Ich finde es bemerkenswert, dass das Gegenteil von Unordnung nicht Ordnung, sondern Frieden ist. Auch darüber kann man länger nachdenken. Inneres und äußeres Chaos produziert Unfrieden, so könnte man auch sagen, und dafür lassen sich viele Beispiele finden.

Ich wünsche Ihnen also, dass Sie beim Entdecken von Ordnung und Strukturen Frieden erleben.

Ihre Andrea Grünhagen