Editorial

LiebeGruenhagen-Andrea Leserinnen und Leser,

wann haben Sie zuletzt das Vaterunser gebetet? Vielleicht letzten Sonntag, vielleicht gestern Abend, vielleicht gerade eben? Und haben Sie sich denn auch etwas dabei gedacht, als Sie so gebetet haben? Martin Luther hat mal gesagt in seiner Schrift „Eine einfältige Weise zu beten …“: „Viele beten des Jahrs vielleicht etliche tausend Vaterunser, und wenn sie tausend Jahre also sollten beten, so hätten sie doch nicht einen Buchstaben oder Tüttel davon geschmeckt oder gebetet. Summa, das Vaterunser ist der größte Märtyrer auf Erden, denn jedermann plagts und missbrauchts, wenig tröstens und machens fröhlich in rechtem Brauch.“ Damit wir nun diesen Märtyrer ein bisschen trösten und fröhlich machen, können Sie in dieser Ausgabe etwas lesen, was vielleicht dazu hilft, das Vaterunser etwas bewusster zu beten. Luther hatte zu seiner Zeit eine Gebetspraxis vor Augen, in der es mehr auf die formal gebetete Menge als auf die innere Beteiligung des Betenden ankam. Ich glaube nicht, dass wir sehr weit von dieser Form der Frömmigkeit entfernt sind. Man muss nämlich keinen Rosenkranz in der Hand halten, um das „Gebet des Herrn“ gedankenlos hinzuplappern. Privat könnte die Anschaffung eines Gebetbuches in manchen Fällen ebenfalls dem inflationären Gebrauch des Vaterunsers ein Ende machen. Es ist nämlich keine Verlegenheitslösung für Faule.

Ein Gebetbuch ist ebenfalls hilfreich, wenn man mit anderen gemeinsam beten will, vor dem Essen und auch sonst. Um dieses Thema soll es auch gehen. Natürlich ist mit dieser Ausgabe das Thema noch nicht erschöpfend behandelt, es wäre eigentlich noch viel mehr zu sagen. Vielleicht mag uns auch jemand von Ihnen seine Gedanken oder Anregungen mitteilen?

Wir freuen uns immer über Reaktionen unserer Leser. Haben Sie aber bitte Verständnis, dass unter Umständen nicht jeder Leserbrief oder unverlangt eingesandte Beitrag abgedruckt werden kann. Das liegt dann an äußeren Gründen, nicht etwa an der Meinung der Redaktion zu etwaigen Themen. Leserbriefe müssen nicht unserer Meinung entsprechen. Wir behalten uns allerdings vor, Texte, die nach Form und Inhalt dem Profil keinesfalls einer lutherischen Kirchenzeitung entsprechen, nicht abzudrucken. In aller Regel liegt es aber an unserem eingeschränkten Platz, wenn etwas nicht zum Druck kommt. Mit Absprachen über Beiträge von unseren Lesern habe ich bislang sehr gute Erfahrungen gemacht.

Herzliche Grüße
Andrea Grünhagen