Editorial

Gruenhagen-AndreaLiebe Leserinnen und Leser,

was hat Sie geprägt? Ich weiß nicht, ob Sie sich diese Frage schon einmal gestellt haben. Antworten darauf führen oft in die Kindheit zurück, denn das ist die Lebensphase, in der wir die meisten Eindrücke verinnerlichen. Es kann aber auch ein einzelnes, besonders schönes oder besonders schlimmes Ereignis sein, das tiefe Spuren hinterlässt. Oder es gibt kontinuierliche Prägungen, die sich durch einen bestimmten Berufsalltag ergeben. Da ist es eine spannende Überlegung, ob Menschen einen bestimmten Beruf wählen, weil er ihrem Charakter entgegenkommt, oder ob die ausgeübte Tätigkeit ihren Charakter formt. Solche Gedanken sind nicht unwichtig für das Miteinander, auch in Gemeinden.

Wir wollen uns aber auch fragen, welche Prägungen unsere Kirche hat. Gibt es den typischen Selki? Und spielen Prägungen in unserer schnelllebigen Zeit überhaupt noch eine Rolle? Wie sieht es mit den unbewussten Prägungen aus, die Teil des kirchlichen Erbes sind – oft unausgesprochen und irrational, aber noch wirksam?

Auch jenseits des Titelthemas bietet diese Ausgabe wieder einen bunten Strauß an Gedankenanstößen und Mitteilungen. Einen breiten Raum nimmt dabei der Bericht über das Reformationsgedenken unserer Kirche ein. So bekommen Sie eine Zusammenfassung der in Wittenberg gehaltenen Predigt des Bischofs, viele Fotos und eine informative Berichterstattung. Auch das Titelbild zeigt den Beichtgottesdienst dort in der Stadtkirche. Man kann das mit unserem Thema zusammendenken.

Wir dürfen ruhig darauf hinweisen, wie wir das Reformationsjubiläum begangen haben. Es ist schon frappierend: Da ärgert sich die konservativ-evangelikale Medienlandschaft ausgiebig über die Art und Weise der Feierlichkeiten der EKD und jammert über Luthersocken und Lutherkekse, und dann macht eine Kirche es anders, ganz auf das Zentrum der Reformation fokussiert, und das wird ignoriert. Klar, ist ja auch viel schöner, wenn man sich über etwas aufregen kann, natürlich ohne jemals Konsequenzen zu ziehen.

Aber es ist vielleicht auch eine gute Prägung der SELK, sowieso keinen Beifall zu erwarten. Und so machen wir fröhlich weiter.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Andrea Grünhagen