Fast immer online für Beruf und Kirche
„Digitale Welt“ in der Rubrik „Personen“ – wie bringt man das zusammen? Vielleicht ein paar kurze Worte über mich, ein Rückblick über die Anfänge der digitalen Welt in unserer Kirche sowie den aktuellen Stand.
von Michael Tschirsch
Ein kurzer Blick zurück
Ich hatte das große Glück in den schönen Bezirken Lichterfelde und Zehlendorf von Berlin aufzuwachsen. In der Zehlendorfer Mariengemeinde bin ich getauft und konfirmiert worden. Den Konfirmandenunterricht bei unserem damaligen Pastor Jobst Schöne fand ich so spannend, dass ich kurz überlegte, vielleicht später auch einmal Pastor zu werden, aber die alten Sprachen, die man gleich zu Anfang des Studiums lernen muss, hielten mich davon ab. Das Interesse an technischen Dingen war doch sehr viel größer. So wünschte ich mir zur Konfirmation, etwas zum Entsetzen meiner Familie, einen Computer. 1983 war das schon etwas schräg. Es war die Zeit, als die ersten bezahlbaren Geräte auf den Markt kamen und sich kaum jemand dafür interessierte. Seit dieser Zeit, ich bekam wirklich zur Konfirmation einen Sinclair ZX Spectrum, hat mich die digitale Welt gepackt. Irgendwann ist daraus dann auch mein Beruf geworden – die Agentur smile-design (mit Schwerpunkten Grafik, Foto, Internet). Die ersten 15 Jahre hatte ich allein bzw. viele Jahre mit einem guten Freund zusammengearbeitet und seit 12 Jahren gemeinsam mit meiner Frau Sandra. Wir betreuen Kunden aus allen Bereichen, Kirchengemeinden und seit 25 Jahren auch die SELK.
Die ersten PCs in den Gemeinden
Denke ich an meine Kindheit und Gemeinde zurück, sehe ich unseren Pastor oft an seiner Schreibmaschine sitzen. Ein faszinierendes Gerät, das so tolle Geräusche machte, eine elektrische IBM Kugelkopfmaschine. Eine Zeit, in der noch nichts so richtig digital war. Es dauerte noch viele Jahre, bis die ersten Computer von einigen modernen Pastoren angeschafft wurden. Es muss Mitte der 1980er Jahren gewesen sein, als ich zum ersten Mal hörte, dass ein Pastor einen PC hat und wir konnten es fast nicht glauben, dass die gesamte Bibel auf eine Diskette passt und man sogar nach jedem Wort suchen und sich anzeigen lassen kann, wo es steht und wie oft es vorkommt. Eine Sensation damals. In unserer Gemeinde zog der erste PC 1991 ein, mit einem neuen, jungen und modernen Pastor: Gottfried Martens. Anfangs wurde der Computer hauptsächlich zum Schreiben von Texten, Briefen und Predigten genutzt. Der große Röhren-Monitor nahm immer viel Platz auf dem Schreibtisch ein. Ganz moderne Gemeinden hatten auch schon eine Adressverwaltung und konnten Gemeindebrief-Etiketten drucken. Das Internet kam erst später, auch E-Mails gab es somit noch nicht. Ausgedruckte Briefe wurden noch per Post verschickt. Nach und nach wurden Faxgeräte angeschafft.
Das Internet kommt
Anfang der 1990er-Jahre kam das Internet mit großen Schritten auf uns zu und nach und nach auch in die Gemeinden. Anfangs war dieses Neuland für uns alle spannend und noch sehr kompliziert. Wird dieses Medium eine Zukunft haben? Ich kenne Menschen, die es als Teufelszeug bezeichneten. Auch Experten waren unsicher – so soll der spätere Telekom-Chef Ron Sommer damals gesagt haben „Das Internet ist eine Spielerei für Computerfreaks, wir sehen darin keine Zukunft.“ Die Anfänge waren auch noch sehr kompliziert, man benötige zusätzliche Geräte, Software, einen Internet-Anbieter und die Einwahl erfolgte über die Telefonleitung – jede Minute kostetet Geld, die Flatrate gab es in Deutschland noch nicht. Als Student hatte man das große Glück, dass man sich über seine Uni ins Internet einwählen konnte – so fielen nur die Telefongebühren an. Während man im Internet war, war dann natürlich immer die Telefonleitung belegt und die Anrufer hörten den Besetztton. Aber wenn man dann so eine Internetseite aufgerufen hatte und die Seite sich Stück für Stück langsam aufbaute, war das wie ein kleines Wunder. Besonders wenn sich die Homepage im Ausland befand, war es, als würde man in eine andere Welt fliegen. So dauerte es nicht lange, bis die ersten Kirchengemeinden an ihren Internetseiten bastelten. Sehr beliebt waren anfangs Besucherzähler, Gästebuch, wackelnde Icons und Baustellenschilder „Under Construction“.
SELK.de geht online
Ungefähr um 1995 waren die ersten kirchlichen Internetseiten im Internet zu finden und die SELK ging im Juli 1997 mit der naheliegenden und schön kurzen Adresse SELK.de online. Der „Koordinator für die Internetpräsentation“, wie es damals hieß, war Jörg Ackermann, Pastor in Angermünde, der diese Aufgabe zusätzlich zum Gemeindepfarramt übernommen und damals Großes geleistet hat. Zu Anfang gab es 17 Gemeinden, die auf SELK.de mit eigener Homepage verlinkt waren: Arpke, Darmstadt, Dreihausen, Gifhorn, Göttingen, Gotha, Hannover Bethlehem, Hermannsburg Große Kreuzkirche, Melsungen, München, Seershausen, Siegen, Sperlingshof, Stadthagen, Stuttgart, Verden/Brunsbrock/Stellenfelde und Weißenfels. Sehr amüsant im Rückblick ist auch, dass eine Seite auf SELK.de aufgelistet hat, welche Gemeinden und Pfarrer schon eine eigene E-Mail-Adresse haben. 1999 waren es gerade einmal um die 60 Adressen.
Eine rasante Entwicklung
2001 wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, beim Amt für Gemeindedienst (AfG) unserer Kirche mitzuarbeiten. So ergab es sich dann, dass ich 2004 angesprochen wurde, ob ich es mir vorstellen könnte, die Internetseite SELK.de professionell neu zu gestalten und zu betreuen. Der Arbeitsaufwand für SELK.de war inzwischen so groß geworden, dass es nebenbei zur Pfarramtsarbeit zeitlich nicht mehr möglich war. Ich freute mich sehr über dieses Vertrauen und sagte zu. So ging im November 2004 eine völlig neue und moderne Internetpräsentation mit 51 Seiten an Informationen online.
4 Jahre später war schon wieder eine neue Website nötig, um technisch aktuell zu sein und auch die Fülle an Informationen und die teilweise vielen Besucher verarbeiten zu können. Im April 2008 ging das erste dynamische System mit Datenbankanbindung (Content Management System) ins World Wide Web.
Seit dieser Zeit betreuen wir auch alle SELK.de-Mailadressen – inzwischen über 500! Dazu gehören Anlegen und Löschen von Adressen, Hilfestellung bei der Einrichtung oder bei Problemen.
Weitere 8 Jahre später ging die nächste Generation von SELK.de online. Inzwischen so umfangreich, dass man die Seiten kaum noch zählen kann. Allein das Aktuell-Archiv umfasst bis heute 21 Jahre mit meist täglich mehreren Berichten.
Was an dieser Stelle nicht fehlen darf … ohne Michael Schätzel, unserem ehemaligen Geschäftsführenden Kirchenrat, wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Ein megagroßes Dankeschön an ihn! Er hatte immer den Überblick, was auf SELK.de zu tun ist. Wir hatten es dann nur technisch und optisch umgesetzt. Er ist auch der Erfinder von SELK-Aktuell und SELK_news – eine fantastische Öffentlichkeitsarbeit, für die andere Kirchen mehrere Personen angestellt haben. Allein in der Zeit von 2004 bis zu seinem Ruhestand hat er uns über 19 Jahre täglich (bis auf 2 Tage im Jahr) Meldungen geschickt, meist zwei bis drei. So sind ca. 17.000 Berichte zu allen kirchlichen und gemeindlichen Themen online gegangen und noch immer abrufbar. Beim Newsletter SELK_news, den er selbst versendete, werden die Zahlen ähnlich sein.
2012 hatte SELK.de zum ersten Mal 1 Mio. Besucher in einem Jahr. Dieser Wert hat sich bis heute gehalten bzw. kontinuierlich leicht erhöht. 2025 waren es knapp 1,5 Mio. Besucher.
Die LuKi geht online
Noch bevor ich SELK.de überarbeiten und neu gestalten durfte, gab es 2002 den Wunsch, dass auch die Zeitschrift „Lutherische Kirche“ eine eigene Internetpräsentation bekommt. Erste Gespräche gab es in Berlin-Wilmersdorf mit dem damaligen Chefredakteur Pastor Detlef Budniok und Hans-Jörg Voigt, damals Pastor in Greifswald. Mit dem September-Heft 2003 ging die erste Website der LuKi online, die wir als Agentur somit schon über 22 Jahre betreuen. Im Editorial konnte man lesen: „Künftig können Sie „Lutherische Kirche“ auch im Internet besuchen. … In einem „Gästebuch“ können Sie auch Ihre Meinung äußern oder nachschauen, was andere zur LuKi oder zu einem Thema meinen.“
Aus einer kleinen Website, die anfangs neben diesem Gästebuch hauptsächlich den Inhalt des aktuellen Heftes präsentierte, ist inzwischen eine umfangreiche Website geworden, mit diversen Extras, die es im Heft nicht gibt, z. B. LuKi-Blog, Bonusmaterial, Fotoalbum, Videos, Rückblicke, sowie einen Online-Shop, in dem jedes Heft der letzten 6 Jahre gekauft werden kann. Auch ein Abo (Web und Print) lässt sich online bestellen. Die Besucherzahlen liegen aktuell bei 3.000 – 4.000 jeden Monat.
Wie ist das mit SELK-Aktuell und SELK_news?
Das werden meine Frau und ich öfters gefragt. Daher hier ein kurzer Einblick. Als unser jetziger Geschäftsführender Kirchenrat Daniel Soluk seinen Dienst im Januar 2024 antrat, verschickte er weiterhin, wie sein Vorgänger, den Newsletter SELK_news und für uns nach Berlin vorbereitete Meldungen, die wir auf SELK.de einstellten (SELK-Aktuell). Im Sommer 2024 wurde der Newsletter, über einen neuen Provider, erstmals mit Fotos verschickt. Da diese Öffentlichkeitsarbeit „so nebenbei“ aus dem Kirchenbüro zeitlich nicht mehr zu schaffen war, werden seit Herbst 2024 SELK-Aktuell und SELK_news ganz von uns aus Berlin nach Absprache mit den Verantwortlichen im Kirchenbüro betreut. Meldungen, die bei uns eintreffen oder aus Hannover weitergeleitet werden, gehen umgehend über beide Kanäle online.
Wir sind immer wieder begeistert, was in unserer kleinen Kirche so alles passiert und auf die Beine gestellt wird. Es gibt fast keinen Tag ohne Meldungen. Nicht zuletzt durch diese vielen Berichte auf SELK.de haben wir die hohen Zahlen von um die 4.000 Besucher pro Tag! So ist die SELK mit unzähligen Begriffen in allen Suchmaschinen vertreten.
Wenn auch Sie etwas aus Ihrer Gemeinde zu berichten haben, schreiben Sie bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – bitte nicht zu lang und mit einem passenden Foto. Vielen Dank!
Welche Digitaltechnik in der Gemeinde ist sinnvoll?
Vieles ist sinnvoll und inzwischen auch notwendig und selbstverständlich. Eine eigene Internetseite sollte inzwischen jede Gemeinde haben. Aktuell sind Gemeinde-Apps sehr beliebt. Mein Motto: Einfach ausprobieren, ob es sinnvoll ist und die Arbeit erleichtert. Wenn man merkt, es ist Vielen in der Gemeinde zu kompliziert, wird es einfach wieder abgeschafft und man nutzt z. B. wieder die bewährten Listen zum Eintragen. Ganz wichtig ist immer, dass man die „alte analoge Welt“ nicht vernachlässigt, wo es weiter sinnvoll ist. Der Schaukasten ist weiterhin äußerst wichtig und sollte immer ansprechend aussehen und aktuell sein. Auch der persönliche Kontakt und das Telefongespräch sind meist wichtiger als eine WhatsApp oder E-Mail.
In Italien sieht man immer häufiger digitale Werbe-/Infosäulen vor den Kirchen, sogar in den kleinsten Orten. Warum nicht. Einfach mal drüber nachdenken und auch als Kirchengemeinde mutig neue Dinge ausprobieren. Es müssen nicht immer die Großen im Ort sein, die neue Technik nutzen. Ein anderes Beispiel: Warum nicht auch die Kollektendose zusätzlich digital anbieten. Betrag eintippen, Karte dranhalten, fertig. So bezahlen wir doch im Supermarkt jeden Tag. Warum nicht auch in der Kirche? Die alten Spendendosen bleiben zusätzlich weiterhin erhalten. Der Rendant wird sich freuen, wenn er so weniger Arbeit mit dem Bargeld hat.
Auch Instagram und YouTube können positiv als missionarisches Werkzeuge genutzt werden. Eine Predigt zum Lesen auf der Homepage ist wunderbar, aber einen Gottesdienst online zu sehen und zu hören, ist ja noch viel besser. Das geht leichter als man denkt – für den Anfang reicht ein Smartphone aus und man kann als Gemeinde Gottesdienste auf die Internetseite stellen, als Einladung, mal sonntags live dabei zu sein oder als Angebot für alle, die nicht ganz so mobil sind. Wir haben heute alle diese Technik und sollten sie auch nutzen. Wenn wir es nicht machen, machen es andere.
Dies sind nur wenige Beispiele. Einfach mal kreativ sein und mutig Dinge ausprobieren!
Haben Sie dabei bitte 2 Dinge immer im Hinterkopf: 1. Kein System ist sicher, fast alles wird irgendwann einmal gehackt. 2. Überlegen Sie, welche persönlichen Daten Sie wem anvertrauen. Mit diesen Daten wird heute sehr viel Geld verdient. Besonders als Kirchengemeinde – immer genau schauen, mit wem man da eigentlich zusammenarbeitet.
Was kommt auf uns zu?
Seit ca. 3 Jahren ist Künstliche Intelligenz (KI) in aller Munde. Aber, was es genau bedeutet und was dahintersteckt, wissen leider die wenigsten. Es lohnt sich, sich darüber genauer zu informieren – es wird unsere Zukunft bestimmen – vergleichbar mit den ersten Computern vor 40 Jahren wird KI so gut wie fast alles verändern. Man kann es positiv oder negativ sehen – auf jeden Fall gibt es jetzt noch die Möglichkeit, Dinge anzupassen, in die richtigen Bahnen zu bringen.
Seit Jahren werden KI-Systeme mit urheberrechtlich geschützten Daten gefüttert – mit Musik, Texten, Fotos, Gemälden, Büchern usw., ohne die Urheber um Erlaubnis zu befragen, geschweige denn dafür zu vergüten. Die FAZ schrieb schon 2024 vom „Größten Diebstahl der Menschheit“. Ein interessanter Fall dazu: Im letzten Jahr wurde ein Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar geschlossen, den das KI-Unternehmen Anthropic zahlen musste, weil es illegal gescannte Bücher für das Training ihrer KI-Modelle genutzt hatte. Man sieht daran, um welche Summen und Dimensionen es hier geht, wenn sich ein Unternehmen außergerichtlich bereit erklärt, so eine unglaubliche Summe zu zahlen. Hier haben wir als Kirche eine große Verpflichtung und Aufgabe, nicht zu schweigen und auf Dinge hinzuweisen, die kirchlich-ethisch höchst fragwürdig sind. Wir können der Technik ja auch nicht einfach aus dem Wege gehen, denn sie ist inzwischen schon fast überall, im PC, im Smartphone, im Onlineshop, in Haushaltsgeräten, im Navi …
KI wird inzwischen auch schon als Seelsorger genutzt. So ist es möglich, einem Chatbot seine Sorgen anzuvertrauen und Ratschläge und Hilfe zu bekommen – ähnlich als würde man mit einem anderen Menschen sprechen. Bei aktuellen Umfragen ist die Zahl derjenigen, die sich das seelsorgerliche Gespräch mit so einem „digitalen Pastor“ vorstellen können, gar nicht gering – je nach Umfrage und Alter der Befragten um die 30 bis 40 %.
Wir werden sehen, wie sich das alles entwickeln wird. In dieser digitalen Welt, in der der Einzelne teilweise immer stärker vereinsamt, ist der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch immer wichtiger. Ich glaube, das wird eine große Aufgabe für uns alle, Pastoren und Gemeindeglieder, in nächster Zeit sein.
Sie haben Fragen? Das Amt für Gemeindedienst hilft gern
Wenn Sie Fragen zu digitaler Technik oder anderen Themen haben, können Sie sich gern beim Amt für Gemeindedienst (AfG) unserer Kirche melden. Das AfG, in dem u. a. meine Frau und ich mit dabei sind, ist dafür da, Pastoren und Gemeinden bei Ihrer Arbeit zu unterstützen. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht, z. B. über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!