Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Gruenhagen Andrea 200pxwas ist das für ein verzweifelter Schrei: „Hilf meinem Unglauben!“ In der biblischen Geschichte, aus der diese Worte stammen (Markus 8, 24), presst die pure Verzweiflung sie dem Vater eines kranken Jungen ab. Er hatte mit seinem Sohn Hilfe bei Jesus gesucht, aber er war nicht sicher, ob der wirklich würde helfen können. Jesus fragt nach seinem Glauben, und da bricht es aus dem Mann heraus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

Wie kann dem Unglauben geholfen werden? Meinem Unglauben, der sich immer wieder mit letzter Kraft an Christus klammert und gleichzeitig in den Abgrund des Unglaubens, des Zweifels und des Verzweifelns starrt. Aber auch dem Unglauben derjenigen, die sich vom Glauben an Gott abgewandt haben oder abgewendet wurden. Und dem Unglauben derjenigen, die von sich sagen, dass sie noch nie haben glauben können, obwohl sie es gerne wollten.

Immer wieder einmal werden wir gebeten, in der LuKi noch mehr über Glaubensthemen zu schreiben. Nun haben wir mal den Unglauben als Thema. Da herrscht für gewöhnlich ganz viel Sprachlosigkeit. Wer spricht schon gerne darüber, dass sein eigener Glaube nicht mehr trägt. Oder über die Sorge um Angehörige und Freunde, die sich jedenfalls nach allem, was man sehen kann, von Gott und der Kirche verabschiedet haben. Noch weniger sprechen wir in unserer Kirche vielleicht über Menschen, die uns lieb und teuer sind und die mit dem Glauben noch nie etwas anfangen konnten – als sei es unvorstellbar, dass es das gibt und dass es solche Menschen in unserem engsten Umfeld gibt. Gerade als jemand, der ursprünglich nicht aus der SELK kommt, wundere ich mich manchmal einerseits über die Verwunderung, dass jemand auch woanders einen frommen Background haben könnte, aber noch viel öfter schweige ich andererseits und denke: „Ihr wisst ja nicht, wie das ist, mit seinem Glauben ganz allein zu sein.“

Das führt zu der Frage, ob unser Glaube eigentlich dem Unglauben anderer helfen kann. Fragt Jesus in der Geschichte nicht den Vater nach seinem Glauben, bevor er dem Sohn hilft? Sieht Jesus nicht auf den Glauben der Freunde, die den Gelähmten zu ihm bringen? Einen stellvertretenden Glauben gibt es nicht. Aber vielleicht hängt ja der winzige zaghafte Funke des Vertrauens auf Gott bei einem anderen Menschen doch an uns wie der Kletternde am Felsen im Seil hängt, das ein anderer sichert. Wenn wir Sie ermutigen können, diese Seile nicht loszulassen, hat sich diese Ausgabe gelohnt.

Ihre Andrea Grünhagen

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