Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Gruenhagen Andrea 200pxangesichts unseres Titelbildes hätte man auch von „Macht und Ohnmacht“ sprechen können. „Mir ist gegeben alle Gewalt/alle Macht …“ Das sagt der Auferstandene von sich, der am Kreuz die tiefste Machtlosigkeit erlitten hat. Das ist etwas anderes, als wenn ein Mensch so etwas von sich behaupten würde. Bei manchen von Ihnen mag da trotzdem ein Rest Unbehagen bleiben. Vielleicht in Form des Zweifels, ob man angesichts des Leides in der Welt wirklich von der Allmacht Gottes reden kann. Warum will er nicht helfen, wenn er doch kann?

Aber bedeutet Allmacht nicht auch, dass Gott diese Frage nach dem „Warum?“ nicht beantworten muss? Eine meiner liebsten Bibelstellen ist die „Rede des Herrn aus dem Sturm“ (Hiob 28,1–39,30.40,6–32), in der genau das deutlich wird. Der erste unserer Artikel zum Thema stellt sich der Frage nach Gott, der völlig souverän ist und manchmal unbegreiflich in seinem Tun und Zulassen. Der zweite Artikel zum Thema widmet sich der Frage nach der Macht in der Kirche, die gerade keine Allmacht, sondern einerseits notwendige Ordnung ist, die durch Kontrolle und Transparenz begrenzt sein muss und andererseits von Gott verliehene Vollmacht in geistlichen Dingen. An diesem Punkt trifft sich unser Nachdenken in den beiden Artikeln.

Dass Kommunikation auch eine Machtfrage sein kann, wird unter der Rubrik Gesellschaft bedacht. Das gilt auch in christlichen Kreisen. Doch so wahr es ist, dass man den anderen in einer Diskussion auch „erbibeln“ kann, indem man ihm einfach eine Schriftstelle um die Ohren haut, so wahr ist es auch, dass Gottes Wort geistliche Autorität besitzt, und dass es auch nötig sein kann, dies klar auszusprechen.

Am wichtigsten ist mir bei allem Konflikthaften und Schmerzlichen, das wir bedenken, die Tatsache, dass wir uns in Gottes Allmacht geborgen wissen dürfen. In jeder Sekunde hat Gott die Macht, zu retten, zu heilen und jede Situation zum Guten zu wenden. Dietrich Bonhoeffer hat dieses grenzenlose Vertrauen in den oft unbegreiflich handelnden Gott so in Worte gefasst: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dazu braucht er Menschen, die sich alles zum Besten dienen lassen.“
Ich glaube das auch.

Ihre Andrea Grünhagen

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