Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Gruenhagen Andrea 200pxhaben Sie sich über den Regenbogen auf unserem Titelfoto gewundert? Er hat unmittelbar mit unserem Thema zu tun. Im 1. Buch Mose lesen wir: „Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. … Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe“ (1. Mose 9, 13.15). Wer die Bilder der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands vor Augen hat, oder wer gar selbst davon betroffen ist, dem mag die Anfechtung kommen, ob Gottes Zusage denn wirklich wahr sei. Das kann ich verstehen. Nur, wer fragt angesichts der verschiedenen Naturkatastrophen nach Gott? Die Suche nach Schuldigen hat stattdessen Hochkonjunktur: wahlweise Verantwortliche vor Ort, fehlende Warnsysteme oder gleich ganz global der Klimawandel. Und damit sind wir dann alle schuld. Ob das den Verzweifelten nun weiterhilft, die alles verloren haben?

Verbunden mit der Identifizierung von Ursachen und Schuldigen ist die Hoffnung, künftigen Bedrohungen Herr werden zu können. Und die bekommt, wie die ganze Klimadebatte, religiöse Züge, und das bis in die Begrifflichkeit hinein. Im „Reich zur Linken“ sollen wir nach Gottes Ordnung nach bestem Wissen und Gewissen verantwortlich handeln. Was das Beste ist, kann unterschiedlich bewertet werden. Meiner Meinung nach gehören solche Themen zu dem, was Bonhoeffer die „vorletzten Dinge“ genannt hat. Zu den „letzten Dingen“, die Gericht und Gnade und das ewige Leben betreffen, gehören sie nicht.

Für mich ist es menschliche Hybris, der Zusage Gottes: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8,22) das „Ja, sollte Gott gesagt haben …“ (1. Mose 3,1) entgegenzusetzen. Das nimmt Gott seine Ehre als Schöpfer, Erhalter und Vollender der Welt. Es nimmt auch den Verzweifelten den Trost. Ich glaube lieber mit Paul Gerhardt an den, „der Wolken, Luft und Winden gibt Wege Lauf und Bahn“, weil mir sonst nämlich der Glaube fehlt, „dass der auch Wege findet, da mein Fuß gehen kann.“

Es grüßt Sie alle herzlich
Ihre Andrea Grünhagen

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