Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
manche Menschen sind Fans der „-ber-Monate“, also September bis Dezember. Ich ohne Zweifel auch, ich mag den Herbst und den anfänglichen Winter. Gleichzeitig sind dies in kirchlichen Kreisen sehr anstrengende Zeiten. Nach den Sommerferien geht es wieder richtig los, ein Fest jagt das nächste Konzert, Sitzungen, Tagungen, Freizeiten, Kommissionen … nicht von ungefähr haben wir deshalb das Thema „Hauptamtliche“ in diesem Monat aufgreifen wollen. Das Kirchenjahr an sich nimmt ab Ende September wieder Fahrt auf, allerdings war man bei seiner Einrichtung in vergangenen Zeiten sehr barmherzig, gerade mit den Ehrenamtlichen bzw. den Gemeindegliedern. Solange diese zu arbeiten hatten, von der Heuernte im Frühsommer bis zur letzten Rübe auf dem Acker im November, ließ man sie weitestgehend in Ruhe. Die römisch-katholische Kirche hat das dann nicht so ganz durchhalten können, sondern mit Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt und anderen Festtagen vielleicht sogar einem vorhandenen Bedürfnis Rechnung getragen. Spätestens im 20.Jahrhundert war dann auch in den evangelischen Kirchen Schluss mit der „festlosen Zeit des Kirchenjahres“. Und die Hauptamtlichen begannen das ganze Jahr zu rotieren, auf dass es auch den Ehrenamtlichen nicht langweilig werde.
Die Hauptamtlichen, wer ist damit eigentlich gemeint? Ganz grob gesagt alle, die auf der Gehaltsliste der Kirche stehen. Was das bedeutet, können Sie genauer in einem Artikel zum Finanzsystem der SELK lesen, in dem Bernhard Daniel Schütze viele Informationen zusammengetragen hat. Mögen diese dazu helfen, faktenbasierte Aufklärung zu leisten. Unser Bischof hat einem Professor unserer Hochschule und einer Kantorin die Frage gestellt, womit eigentlich ihr Tag am Dienstag oder Mittwoch gefüllt ist. Auch das sind interessante Einblicke, denn was ein Pfarrer so alles tut, bekommen Gemeindeglieder meistens noch irgendwie mit. Dass es andere Hauptamtliche gibt, die auch viel Unterstützung, Logistik und verschiedenste Dienste bereitstellen, oft aber nur punktuell sichtbar werden, wird oft vergessen. Was eine Anstellung bei der Kirche in verschiedener Hinsicht überhaupt bedeutet, beleuchtet Mark Megel.
Falls sich übrigens jemand fragt, ob wir das ehrenamtliche Engagement denn gar nicht würdigen wollen – doch, wir würdigen es, nächsten Monat mit einer eigenen Ausgabe dazu. Was diese Ausgabe angeht, bitte scheuen Sie sich nicht, direkt nachzufragen, wenn Sie etwas genauer wissen möchten. Finanzen und kirchliche Ordnungen sind in unserer Kirche rechenschaftsfähig öffentlich zugänglich. Wer was warum tut und ggf. wie dafür bezahlt wird, ist kein Geheimnis.
Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen
Ihre Andrea Grünhagen