Editorial


Andrea GrünhagenLiebe Leserinnen und Leser,

ich habe mich gefragt, was eigentlich das Wort „verwandt“ bedeutet, und habe als Erklärung gefunden, es habe etwas mit dem mittelhochdeutschen „verwenden“ zu tun, dessen Grundbedeutung „sich jemandem zuwenden“, „sich mit jemandem verbinden“ ist. Die Verwandtschaft besteht also aus Leuten, zu denen eine Verbindung besteht. Nur beruht diese Verbindung nicht auf Entscheidungen oder Gefühlen, sondern ist durch Abstammung begründet.

Verwandte hat man sich also nicht ausgesucht. Menschen haben unterschiedlich viele Verwandte. Manchmal sieht es so aus, als hätten Leute in der SELK überdurchschnittlich viele. Vielleicht haben sie aber auch nur ein überdurchschnittliches Interesse an Genealogie, damit hat man ja auch immer ein Gesprächsthema. Lustig finde ich es auch, dass es für manche schwer vorzustellen ist, dass jemand zwar eine relativ große Verwandtschaft haben kann, diese aber nicht zur SELK gehört. Ich spreche da aus Erfahrung. Das zeigt, wie sehr Familie und Kirche häufig identifiziert werden. Ebenfalls aus Erfahrung: Einheiraten klappt ziemlich gut. Wobei man dann im strengen Sinne gar nicht verwandt, sondern verschwägert ist. Egal, es zählt doch die Verbindung, und das ist schön. Aber manchmal auch schmerzlich oder nicht selbstverständlich gegeben. Ich habe mich also gefragt: Wie liest jemand, der ganz wenige oder gar keine nahe oder entferntere Familie hat, diese Ausgabe?

Dass Verwandtschaft in kirchlichen Zusammenhängen sowohl hilfreich, manchmal aber auch ausbremsend wirkt, wird in einem Artikel ebenfalls beleuchtet. Ich denke, das gilt nicht nur für die im Artikel erwähnte missionarische Komponente. Es hat auch sowohl etwas mit Gemeinschaft als auch mit Anerkennung zu tun, manchmal auch mit Einfluss.

Wichtig war uns aber auch, und das durchaus mit Nachdruck, dass Familie und Verwandtschaft etwas Gutes sind. Dem stimmen Umfragen zufolge auch sehr viele Menschen zu. Auf die Diskrepanz, zwischen dem Wunsch nach Familie und der Zahl der tatsächlichen Familiengründungen, geht ein weiterer Artikel ein.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen
Ihre Andrea Grünhagen