Ost-West Dialog


Muttiheft 400pxMann oh Mann, hätte der Ost-Beauftragte der Bundesregierung bloß seine Wortwahl überdacht. Nun ist das Ost-West Thema überall in den Medien präsent und so ziemlich jeder hat eine Meinung dazu. Ich nicht. Im Alltag konnte ich nämlich noch keine besonderen Defizite bei denjenigen feststellen, über die plötzlich geredet wird wie über die exotischen Einwohner einer fernen Insel. Geht‘s eigentlich noch? Ich meine, ich mache ja auch ganz gerne mal einen Spruch, um meine Freunde aus den neuen Bundesländern aufzuziehen. Am liebsten den mit dem Baguette-Boden …

Und nirgendwo habe ich dazu so viel Gelegenheit wie in der Redaktion der LuKi. Vielleicht sollte ich Herrn Wanderwitz mal schreiben und ihm unser fortgesetztes Bemühen um die Völkerverständigung mitzuteilen. Immer wieder erläutere ich gerne den Unterschied zwischen d und t und g und k. Ebenso unermüdlich zeichnet unser Bischof für mich Tortenstücke auf Papier: „Schau mal, das ist ganz einfach. Viertel elf bedeutet …“

Apropos Baguette. Vielleicht sollten wir es mal kulinarisch versuchen. Zum Beispiel könnten der andere Rheinland-Pfälzer und ich das nächste Mal das Nationalgericht „Worscht, Weck un Woi.“ mitbringen. Und wenn die anderen doch lieber Eierschecke essen wollen? Eigentlich mag ich die auch lieber. Eierschecke schreibt sich ursprünglich übrigens Eierschegge. Wirklich. Bloß ist das mit dem g und k ja nicht so einfach, wie schon erwähnt. Das ist aber auch egal, solange mir vielleicht mal jemand ein Stück davon vorbeibringt.

Immerhin ist die Verständigung mittlerweile schon so weit gelungen, dass ich mühelos ein Vokabelheft anlegen könnte: Schultüte heißt Zuckertüte. Schuleinführung meint Einschulung, da darf man was mit „Führen“ sagen, aber der Führerschein heißt Fahrerlaubnis. Fit ist Spüli. Soweit so gut. Aber irgendwo sind Grenzen. Bei „Muttiheft“ zum Beispiel. Das ist nicht der Mutterpass, sondern das Mitteilungsheft von Schulkindern, das der Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern dient. Und ich dachte, die Gleichberechtigung von Frauen sei ein Ziel des realexistierenden Sozialismus gewesen. Wohl nicht, wenn sich dann doch nur Mutti um die Hausaufgaben der Kinder kümmern musste. Jedenfalls sage ich niemals Muttiheft, Ost-West Dialog hin oder her.

Bildnachweis: Wikimedia.org

Der kleine LuKi


BLuKiesonders groß ist die kleine LuKi ja auch nicht, aber jetzt meine ich wirklich den kleinen LuKi. Ich habe zwar im Blick auf die neue Juniausgabe so viel über das Thema Gender nachgedacht, dass mir die seltsamsten Fragen durch den Kopf gehen, aber nun will ich doch über den kleinen LuKi schreiben, den es mal gab. Das war in den 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Da hatte die LuKi eine Kinderseite, auf der sich der kleine LuKi mit seinem Freund, dem Küster Karli, tummelte.

Karli hatte gewisse hochkirchliche Tendenzen, er spielte gern mit Weihrauch und Weihwasser, was aber daran liegen kann, dass viele Kinder gerne zündeln und mit Wasser rumspritzen. LuKi war mehr für Rätsel und ähnliche Sachen zuständig.

Die ganze Seite hieß sogar: Familienmagazin. Nun ist eine einzige Seite LuKi beim besten Willen kein Magazin und das war auch nicht für Familien, sondern für Kinder. Von Kindern war es eher nicht.

Dabei hätten die doch bestimmt auch was zu sagen, gerade jetzt. Es könnte ja sein, dass der kleine LuKi mal so langsam aus dem Lockdown abgeholt werden möchte, damit er erzählen kann, was er da erlebt hat. Oder sagen, was ihm gefällt und was nicht.

Mittlerweile haben LuKi und Karli bestimmt ein Smartphone und ein Notebook und vermutlich wischen sie gerade verzweifelt über die Titelseite der Printausgabe und wundern sich, warum da keine weiten Seiten auftauchen. Scheint kaputt zu sein …

Möglicherweise verständigen sie sich auch nur noch durch das Senden von kleinen Bildern. Ich werde sie mal fragen. Und dann dürfen LuKi und Karli und alle anderen kleinen Leser und Leserinnen mal selbst zu Wort kommen. Bestimmt. Falls ich es vergesse, erinnern Sie mich bitte daran.

Hugo


MopsiNein, es geht jetzt nicht um das alkoholhaltige Getränk gleichen Namens. Sondern um einen kleinen Uhu, der aus dem Nest gefallen ist und von den Mönchen im Kloster Maria Laach gerettet wurde. Der heißt Hugo und mag Mäuse. Er wurde einer Falknerei zur weiteren Pflege übergeben.

Ich will auch so eine Meldung! Aber nie, nie, nie kommen bei uns kleine, süße Tiere vor. Die LuKi hatte mal ein Schwein in zwei Hälften auf der Titelseite. Das ist mittlerweile ein legendärer Titel, kam aber nicht überall gut an.

Aber immerhin kann ich berichten, dass wir kurz davor waren, so eine Meldung zu bekommen. Im Garten des Kirchenbüros in Hannover gibt es nämlich im Winter, wie in einer wunderbaren Kleefelder Notiz schon erzählt, eine „Tierdiakonische Futterstation“. Es handelt sich um ein Vogelhaus und kleine Säckchen mit leckeren Nüssen. Letztere haben es Mopsi angetan. Mopsi ist kein Uhu, sondern ein Eichhörnchen. Ich fände es auch nicht schön, wenn vor meinem Fenster tote Mäuse hängen würden, nur weil Hugo die mag. Mopsi mag Nüsse. Ein paar zu viel davon hat Mopsi diesen Winter verspeist und nun sieht es halt leider etwas mopsig aus. Nun ja, Menschen haben ja auch mit zusätzlichen Lockdown-Pfunden zu kämpfen.

Jedenfalls hat dieses Eichhörnchen ungeahnte akrobatische Fähigkeiten entwickelt, um an die Nüsse zu kommen. Jeden Tag habe ich darauf gewartet, dass Mopsi kopfüber in den Schnee plumpst. Dann hätten wir es nämlich gerettet. Und eine schöne Meldung gehabt.

(Un)-tätigkeit


A.W.SchlegelVon dem Philosophen und Literaturkritiker Augst Wilhelm Schlegel, der übrigens 1767 in Hannover (!) geboren wurde, stammt der Ausspruch: „Tätigkeit ist der wahre Genuss des Lebens, ja das Leben selbst.“ Wenn das so stimmt, bin ich gerade der glücklichste Mensch auf Erden. Es kommt mir zwar leider nicht so vor, aber das will ja noch nicht viel heißen.

Was es bedeutet, zur Untätigkeit verdammt zu sein, erfahren in der jetzigen Krise Beschäftigte aus den unterschiedlichsten Branchen. Gelegentlich weisen diese auch darauf hin, dass es nicht nur um ihre finanzielle Existenz geht, sondern dass ihr Beruf in hohem Maße Teil ihrer Identität ist. Und der wurde nun schon über ein Jahr quasi deaktiviert.

Unmittelbare Auswirkungen der Untätigkeit spüren wir in der LuKi besonders bei der Rubrik „Neues aus der SELK.“ Was nicht stattgefunden hat, kann man auch nicht melden. Man könnte Absagen vermelden, aber das ist zu deprimierend. Man könnte vielleicht sogar spekulieren, warum manchen gar nicht zu fehlen scheint, was ausfällt. Das tun wir natürlich nicht.

Ich meinte übrigens nicht, dass es mir und anderen menschlich entgangen ist, was grade passiert. Über Gründe, Hintergründe und Folgen, auch kirchlich, werden wir nachdenken und schreiben müssen. Das sollte sicher aus ganz verschiedenen Perspektiven geschehen. Was man als Mutter mit einem oder mehreren Kindern, die gerade heimbeschult werden, erlebt, ist auf jeden Fall des Schilderns würdig. Und was man alles an Neuem dabei lernen und an erworbenem Wissen auffrischen darf! So viel tätiges Leben, wenn man eine Ballade von Schiller interpretieren (Der Handschuh – Es reichte leider nicht aus, zu schreiben, dass Kunigunde eine blöde Ziege ist), den Aufbau von Septim-Akkorden erklären, möglichst unverfänglich erläutern, was „It’s complicated“ auf britischen Datingplattformen bedeutet, (da kann man mal sehen, wie modern heutiger Englischunterricht ist.), was ich alles in der letzten Woche bewältigen durfte. Sagte ich bereits, wie glücklich ich mich schätze?

Jedenfalls glücklicher als alle, deren Verzweiflung ich spüre, weil sie es auf die eine oder andere Art täglich mit hoffnungslosen, kranken oder sterbenden Menschen zu tun haben. Die Liste ist ellenlang. Ein paar Mund-Nasenschutze mehr oder weniger auf Fotos in der LuKi bilden nicht ab, was wir erleben.

Mein Postfach und mein Schreibtisch haben das mit Corona noch nicht mitbekommen. Die schreien nach Tätigkeit, aber sofort. Und was auf und in ihnen landet, hat nahezu gar nichts mit der Pandemie zu tun. Schon seltsam, denke ich nachdenklich.

Bildnachweis: Wikimedia.org

Die kleinen Wesen in meinem Computer


Blog 2In meinem Computer auf dem Schreibtisch meines Büros in der unteren Büroebene des Kirchenbüros der SELK leben kleine Wesen. Einmal im Monat treffen wir uns und reden über die LuKi. Das nennt man dann Redaktionssitzung. Im Computer des Bischofs leben die gleichen kleinen Wesen. Das merkt man daran, dass wir immer zur gleichen Zeit in die digitale Kiste brüllen, was alle anderen Mitarbeitenden im Kirchenbüro schmerzlich erleiden müssen. Noch schlimmer ist es übrigens, wenn der Bischof und der Geschäftsführende Kirchenrat zur gleichen Zeit eine Videokonferenz haben, denn die arbeiten auf der gleichen, nicht der unteren, Büroebene, und wenn man genau zwischen ihren Büros steht, hat man das Gefühl, wahrscheinlich einen Hörsturz zu erleiden, mindestens aber von gedoppelten, zeitversetzten akustischen Phänomenen verfolgt zu werden.

Aber zurück zu den kleinen Wesen. Ich bin sicher, dass es diese auch in echt und normalgroß gibt, weil ich manche von ihnen gelegentlich real präsent sehe, bei einigen bin ich nicht ganz sicher, denn wir haben uns seit vielen Monaten nicht getroffen. Und das ist schlimm.

Unverdrossen produzieren wir auf diese Weise, mehr oder weniger coronabedingt behindert oder coronamaßnahmenbedingt behindert oder coronainfiziert oder wegen Corona in Quarantäne monatlich eine Ausgabe der Kirchenzeitung, die dann die Druckerei und der Versand coronabedingt oder coronamaßnahmenbedingt …, na Sie wissen schon, fertigstellt und verschickt. Darum dauert es gerade unterschiedlich lange, bis die Leserinnen und Leser eine Ausgabe in Händen halten.

Gestern war es wieder soweit. Wir hatten eine Redaktionssitzung und zum Beweis, dass es diese kleinen Wesen gibt, zeige ich Ihnen ein Foto davon. Neben der Manöverkritik zur neuen Ausgabe stand die Erarbeitung des Themas der Juniausgabe auf dem Programm. Und was soll ich sagen: das wird spannend, es geht nämlich um Frauen und Männer. Deshalb sind es ja auch kleine Wesen in meinem Computer und nicht kleine Männchen, weil da auch Frauen dabei sind. Die Dichte von weiblichen Wesen in Redaktion und Mitarbeiterkreis ist bei der LuKi übrigens ausgesprochen hoch im Vergleich mit anderen Gremien unserer Kirche. Redaktionssitzungen dienen der kreativen Arbeit. Ich kenne auch keine andere Sitzung, bei der so viel gelacht wird. Und hätte ich diese kleinen Wesen nicht, würde mir etwas fehlen. Aber ich möchte sie bald mal wieder in groß sehen - bitte, bitte, bitte!

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